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Jan Schleicher

Geschäftsführer

Paragraphenzeichen in Blau vor einem Hintergrund aus grauen und weißen Paragraphenzeichen
Foto: © Gerd Altmann, Pixabay

Deutschland hat sich „vernormt“

Normen sollen das Leben eigentlich vereinfachen. Sie regeln viele Details, damit sich zum Beispiel beim Bauen am Ende ein passgenaues Ganzes ergibt. Zu viele Normen bremsen jedoch wichtige Aktivitäten aus und verhindern den dringend benötigten Wohnungsneubau.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit oder Vollständigkeit.

Deutschland braucht eine Radikalkur bei den Normen. Sie verschärfen die Wohnungsnot und bremsen den Neubau. „Mit weniger und besseren Normen hätte Deutschland mehr Wohnungen“, lautet das Fazit zweier Bauforschungsinstitute.

Die scharfe Kritik kommt vom Wohnungsbau-Institut ARGE des Landes Schleswig-Holstein und vom Institut für Bauforschung (IFB) des Landes Niedersachsen. Ihr Vorwurf lautet: Deutschland hat sich „vernormt“. Die Bauforscher sprechen sich deshalb für einen „schnellen und konsequenten Kurswechsel“ bei den Baunormen aus.

Deutschland könnte ein Drittel mehr Wohnungen bauen. Die ausgeuferte Normung im Wohnungsbau sei mitverantwortlich für die Wohnungsnot, rasant steigende Kaufpreise und explodierende Mieten. Die Gesamtkosten im Neubau könnten um rund 1.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gesenkt werden. „Wer mehr Wohnungen bauen will, muss dringend bei den Normen ‚abrüsten‘ und sie wieder zu dem machen, was sie einmal waren: ein Werkzeug, um Kosten zu senken“, fordern die Institute.

Beim Neubau von Wohnungen sind die Kosten seit dem Jahr 2000 bundesweit um rund 245 Prozent gestiegen. Rund 20 Prozent dieses Kostenanstiegs gehen auf das Konto höherer Normenstandards. Konkret bedeutet das: „Normen haben in den vergangenen 25 Jahren die Gesamtkosten beim Neubau um rund 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhöht. Die Folge: Es wird weniger gebaut“, sagt Prof. Dietmar Walberg. Als Beispiel führen die Wissenschaftler der ARGE und des IFB den Schallschutz an: „Seit 2015 haben sich der Arbeitsaufwand und die Kosten, die hinter der Normung zum Schallschutz stehen, verdreifacht.“

Fazit: Bund und Länder sollten verstärkt einen „Basis-Standard-Wohnungsbau“ fördern und damit deutlich günstigere und vor allem mehr Wohnungen ermöglichen.

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